Lahntalradweg

Ostseeküste

Holzappel, sei wachsam: die Waschbären sind los...

Sportliche Radwanderung durch drei Bundesländer von der Lahnquelle bis zur Mündung. Die Biketour startet in Siegen und verläuft zunächst kurz über die Oranier-Fahrradroute und querfeldein bis zur Lahnquelle. An malerischen Städtchen und tiefgrünen Wäldern entlang verläuft die Tour bis zur Mündung der Lahn in den Rhein. Als sportliches Highlight wartet der Anstieg hinauf nach Holzappel am letzten Tag der Radtour.

Endlich wieder auf Biketour! Zu früher Stunde starte ich mein kleines Radabenteuer am Kölner Hauptbahnhof, die streikenden Lokführer auf dem Vorplatz vermögen mich nicht zu bremsen auf meiner kurzen Zugfahrt nach Siegen.

Etappe 1 (98,15 Km, 790 Hm): Von Siegen zur Lahnquelle und bis Marburg

Schell lasse ich die Stadt hinter mir, pedaliere die ersten Kilometer auf der Oranier-Route und bin bereits nach wenigen Kilometern im Grünen. Wie ich das vermisst habe! Bald wartet der erste kleinere Anstieg mit bis zu 12% Steigung zum anschwitzen und vermittelt einen Vorgeschmack auf das wellige Profil der ersten Kilometer auf dem Weg zur Lahnquelle. Teils über geschottertes Terrain, teils auf der Landstraße folge ich der guten Beschilderung in Richtung Deuz und erreiche wenig später den Ort Werthenbach. Dort verlasse ich die Oranier-Route und folge nun einer selbsterstellten Route bis zur Lahnquelle. Heissa, es geht ab in den Forst!

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Am Ortsschild steuere ich zunächst nach links und radele nach rund 21 Kilometern auf leicht ansteigendem Untergrund durch den angenehm kühlen Wald, der Weg ist leicht schlammig und einmal mehr schätze ich mein geländetaugliches Gefährt. Ringsum zeigen kahle Bergkuppen die Auswirkungen der zurückliegenden Hitzesommer. Bald wird der holprige Anstieg heftiger und weckt meinen Ehrgeiz, die auf dem Navi angezeigten 14% Steigung bis zur Kuppe zu bewältigen: Was denn, Hügelchen, mehr hast du nicht zu bieten? Oben angekommen hat mich die Anhöhe dann doch ganz schön ins Schwitzen gebracht und ich lege eine kurze Trinkpause ein. Was denn Berg, es geht noch weiter hoch?

Forst bei Werthenbach Ab Wertenbach auf einer Höhe von 390 Metern gelegen lege ich auf den folgenden rund 4,5 Kilometern rund 235 Höhenmeter zurück und erreiche, teils einen heftigen, schlammigen 20%-Anstieg hinauf schiebend, schnaufend den höchsten Punkt der gesamten Tour auf rund 635 Metern Höhe. Als ich aus dem Forst kommend endlich den abschüssigen Trail in Richtung Lahnquelle hinabrolle staunen die rastenden Wanderer wohl nicht schlecht: Wo kommt denn so plötzlich der Bike-Yeti her?

Von der Lahnquelle bis Bad Laasphe

Am Einstieg des Lahntalradwegs Die im Rothaargebirge auf einer Höhe von rund 603 Metern entspringende Lahn legt auf ihrem Weg bis zur Mündung in den Rhein rund 246 Kilometer zurück und passiert dabei die Bundesländer NRW, Hessen und Rheinland-Pfalz. An der Quelle selbst ist von dem Fluss freilich noch nicht viel zu sehen und so kehre ich nach rund 26 gefahrenen Kilometern und 435 Höhenmetern zunächst auf eine zünftige Mahlzeit im Landgasthof zum Lahnhof ein. Wenig später befinde ich mich am Startpunkt des Lahntal-Radwegs und lasse das Bike über die abschüssige, holprige Schotterpiste durch den Forst rollen. Rechts des Weges zeigt sich bald erstmals die Lahn als kleines Bächlein und ich stelle mir vor, wie dieser Rinnsal im Laufe der Tour zu einem ansehnlichen Fluss anwachsen wird.

Altstadt von Bad Laasphe Nach rund 30 Kilometern erreiche ich auf einer kleinen Straße den Ort Welschengeheu. Die Landschaft ringsum ist hügelig und von sattgrünem Nadelwald bestanden. Bald führt der Radweg wieder separat durch den schattigen Wald, etwas unterhalb des Weges fließt linkerhands die bereits etwas breiter gewordene Lahn gemächlich in Richtung Bad Laasphe. Ich erreiche den Ort, teils auf Schotterpisten entlang einer Bahntrasse radelnd, nach rund 46,8 Kilometern. Der Radweg verläuft hier entlang der Straße direkt durch den Ort. In der schmucken Kleinstadt, die rund 14500 Einwohner hat, schaue ich mir kurz die historische Altstadt mit ihren Fachwerkhäusern und dem Altstadtbrunnen an bevor ich wenig später die Kette wieder rotieren lasse und meinen Weg auf dem Lahntal-Radweg fortsetze.

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Von Bad Laasphe bis Marburg

Hinter Bad Laasphe verläuft der gut asphaltierte Radweg durch ein weites Tal mit Wiesen und Feldern, auf den Hügelketten ringsum ziehen sich sattgrüne Mischwälder hin. Während ich zu Beginn der Tour noch einsam in die Pedale trat sind auf diesem Abschnitt zahlreiche Radfahrer in beide Richtungen unterwegs. Weiterhin verläuft der Radweg entlang einer eingleisigen Bahntrasse, die Beschilderung am Wegesrand zeigt eine Distanz von 40 Kilometern bis ins heutige Tagesziel Marburg.

Nach 68 gefahrenen Kilometern schlängelt sich der Radweg weiter durch Felder und so manche Kurve ist wegen der hoch gewachsenen Feldfrüchte schlecht einzusehen - und so muss ich ganz schön in die Eisen gehen als mir nach einer Rechtskurve ein Traktor samt Hänger entgegenschießt. Glück gehabt! Noch mit Adrenalin in den Adern erreiche ich wenige Kilometer später den Ort Buchenau und fange allmählich an, die Kilometer bis ins Tagesziel Marburg runterzuzählen: Auf in den Endspurt!

Ich folge dem Radweg entlang einer wenig befahrenen Straße in Richtung Tagesziel. Unverändert schlängelt sich der Radweg durch ein weites Tal, außer mir sind hier nur noch wenige Hundebesitzer mit ihren Vierbeinern unterwegs. Nach 80 Kilometern lasse ich Sterzhausen hinter mir, eine schmucklose Wohnsiedlung mit Einfamilienhäusern. Einige Kilometer später wiederum brause ich durch die Außenbezirke des Ortes Lahntal. Längst ist der Fokus einzig auf das heutige Tagesziel Marburg gerichtet, wo ein gemütliches Einzelzimmer und so manche Imbissbude auf hungrige Biker wartet. Etwas später in der Unterkunft in Marburg lasse ich frisch geduscht und pappsatt den ersten Tag Revue passieren.

Sightseeing in Marburg

Marburg In den folgenden beiden Tagen besichtige ich Marburg und ziehe für zwei weitere Nächte auf den örtlichen Campingplatz in unmittelbarer Nähe zur Lahn um. Die Studentenstadt begeistert mit einer idyllischen Altstadt. Im kleinsten Gang steuere ich mein Mountainbike die steilen Gassen empor und mache einen Halt am alten Marburger Rathaus. Vor dem historischen Gebäude, das zwischen 1512 und 1527 errichtet wurde, genießen Sonnenanbeter das perfekte Wetter in einem der Gastronomiebetriebe. Prost!

Per pedes mache ich mich später auf den Weg zum hoch über der Stadt thronenden Landgrafenschloss. Vor dem beeindruckenden Gebäude, das im 13. und 14. Jahrhundert erbaut wurde, bietet sich mir eine schöne Aussicht auf die historischen Gebäude der Oberstadt. Eine weitere Sehenswürdigkeit Marburgs ist die Elisabethkirche, eine ab 1235 errichtete Kathedrale, die als die älteste rein gotische Kirche in Deutschland gilt. Zwischen der Kirche und dem Schloss über der Stadt liegen in Marburg 100 Höhenmeter – viel Spaß beim Aufstieg!

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Einen sportlichen Wettbewerb liefere ich mir auf dem Minigolfplatz direkt am Campingplatz – und beziehe eine schmachvolle Niederlage gegen einen scheinbar wie entfesselt aufspielenden Gegner. Tiger Woods, ich habe verstanden: ich bin besser im Fahrradsattel aufgehoben!

Etappe 2 (93,55 Km, 358 Hm): Von Marburg zum Campingplatz Odersbach

Auf dem Campingplatz Marburg In der Nacht vor meiner Weiterfahrt werde ich in meinem Zelt liegend wach und höre ein Rascheln außerhalb des Zeltes. Ein Camper auf seinem nächtlichen Gang zur Toilette? Mitnichten, denn am Morgen herrscht Aufregung im Zelt nebenan – der Waschbär war los! Angeknabberte Vorratstüten im Vorzelt überführen den nächtlichen Besucher, laut Aushang am Sanitärgebäude des Platzes keineswegs ein ungewöhnlicher Besuch.

Im Laufe des Morgens bekomme ich Verstärkung von einem Familienmitglied, das mit seinem mit Radtaschen bestückten Hardtail-Mountainbike den Campingplatz angesteuert hat. Jetzt erstmal ein zweites Frühstück beim örtlichen Bäcker des Vertrauens! Gestärkt mit Pflaumenkuchen und Kaffee nehmen wir um 11:20 Uhr die Fahrt auf dem Lahntal-Radweg wieder auf und sind nach 2,5 Kilometern bereits wieder idyllisch inmitten von Feldern und Wiesen unterwegs. Der separate, gut präparierte Radweg schlängelt sich in Kurven durch das Flachland, es sind am heutigen Tage viele Radwanderer unterwegs. Diese stemmen sich genau wie wir fluchend dem starken Gegenwind entgegen – es lebe die Windkante!

Von Marburg bis Gießen

Ein letztes Mal lasse ich den Blick zurückschweifen auf die beeindruckende Burg von Marburg während die Sonne bereits erbarmungslos auf unsere Helme brennt. Gelegenheit zur Abkühlung bietet sich wenige Kilometer später. Hier verläuft der Radweg direkt am Niederweimarer See vorbei wo Besucher dem Wasserskifahren frönen oder sich im Badebereich des Sees erfrischen können. Ich hingegen belasse es bei einem kühlenden Schwall aus der Radflasche aufs schwitzende Haupt. Nach 8,2 Kilometern auf der heutigen Etappe erreichen wir Argenstein, wo E-Biker bei Bedarf eine Ladestation für ihre Fahrräder nutzen können.

Bald verläuft der Radweg an einer Landstraße entlang in Richtung Gießen, auf den Hügeln voraus drehen sich Windräder gemächlich im Wind. Einige Kilometer später schlängelt sich der Radweg wiederum an Feldern entlang in Richtung Gießen, die Beschilderung weist eine Entfernung von 16 Kilometern bis in die Universitätsstadt aus. In gemäßigtem Tempo fressen wir Kilometer um Kilometer und erreichen nach 26,7 Kilometern den Ort Ruttershausen, wo wir die Lahn über eine Brücke überqueren. Unter uns paddeln gerade zwei Kanutinnen entspannt auf den strömungsarmen Wassern dahin und genießen die schöne Umgebung. Insgesamt lässt sich die Lahn ganzjährig auf einer Länge von circa 160 Kilometern mit dem Kanu befahren. AHOI und gute Fahrt!

Wir passieren den Ort Lollar, genießen wenig später einige schattigere Passagen und sind bald wieder direkt an der Lahn unterwegs, auf der einmal mehr eine Gruppe von Kanuten ihre Bahnen zieht. Nach 34,6 Kilometern schlängelt sich der Radweg durch Streuobstwiesen, überragt von der Burgruine Gleiberg auf der Spitze des gleichnamigen Berges. Die um das Jahr 900 errichte Burganlage wurde rund 300 Jahre später um einen imposanten Bergfried ergänzt. Heutzutage können sich Besucher In einem Gebäude im Innenhof zur Unterburg in einem Restaurant mit Biergarten stärken.

Wir hingegen verlegen unsere Mittagspause in einen Biergarten in Gießen, den wir nach rund 38 gefahrenen Kilometern erreichen. Gesättigt mit schmackhaften Knödeln folgen wir später dem Radweg durch eine Grünanlage direkt an der Lahn, während auf den Rasenflächen ringsum gut gelaunte Menschen das sonnige Wetter genießen.

Von Gießen bis Wetzlar

Auf Gießener Stadtgebiet verläuft der Radweg zunächst entlang der Straße, dann entlang von Wiesen und Feldern und wir erfreuen uns bei heißen Temperaturen über einige schattige Passagen. Längst folgen wir der Beschilderung in Richtung Wetzlar und radeln etwas außerhalb von Gießen wieder direkt an der Lahn, auf der (wer hätte es geahnt?) Kanufahrer und Urlauber auf Flößen schippern. Einige Kilometer später führt der Radweg unter einer Autobahnbrücke der A45 hindurch, ringsum ragen mächtige Betonsäulen empor und wir genießen für einige Sekunden den kühlenden Schatten des Bauwerks.

Wir passieren den Ort Naunheim und rollen schließlich nach rund 57,6 Kilometern in die Stadt Wetzlar. Die Stadt bietet mit seiner historischen Altstadt samt Cafés und Kneipen sowie dem Wetzlarer Dom eine gute Möglichkeit für einen Zwischenstopp. Wir verzichten jedoch auf eine Pause und treten stattdessen weiter in die Pedale. Der Radweg verläuft nun direkt an der Lahn entlang, immer wieder führen Betonrampen hinunter zum Fluss und ermöglichen den komfortablen Ausstieg der Wassersportler. In der Schrebergartenkolonie links des Weges herrscht eifriges Treiben der Hobbygärtner und selbsternannten Grillkönige.

Von Wetzlar bis zum Campingplatz Odersbach

Nach rund 67 Kilometern verläuft der Radweg an Sonnenblumenfeldern vorbei und es heißt einmal mehr: Obacht, die Landmaschinen sind los! Wir lassen den Ort Burgsolms hinter uns, passieren den Campingplatz Solms-Schohleck und haben bald 75 Kilometer der heutigen Etappe bewältigt. Noch einmal sind einige kürzere, recht heftige Anstiege zu bewältigen. Schon senkt sich die Sonne über der idyllischen Landschaft, die Obstbäume entlang des Weges werfen lange Schatten in die menschenleere Umgebung – längst scheinen die meisten Radwanderer ihr Ziel erreicht zu haben. Wir hingegen machen auf der nun teils stark abschüssigen Piste immer wieder kurze Pausen und genießen den Ausblick über die lichtdurchfluteten, mit Heuballen bestandenen, gemähten Wiesen ringsum: Augenblick, verweile doch. Du bist so… flüchtig! Nur wenige Kilometer später führt uns der Radweg schon wieder direkt an der Bundestraße entlang.

Abendstimmung an der Lahn Auf den letzten Kilometern radeln wir jedoch wieder idyllisch direkt an der Lahn entlang, die Abendsonne lässt die Wasseroberfläche des nahen Flusses golden schimmern. Wenige Kilometer vor unserem Tagesziel erreichen wir Weilburg, überragt vom gleichnamigen barocken Schloss mit angrenzendem Schlossgarten. Wir haben unseren Fokus jedoch längst auf unser Ziel gerichtet und setzen zum Endspurt an. Schon taucht vor uns rechts des Flusses der Campingplatz Odersbach auf und wir wechseln über eine Fußgängerbrücke die Flussseite. Wir nutzen das letzte Tageslicht, bauen unsere Zelte auf und sitzen etwas später bereits mit dampfender Pasta im Biergarten der örtlichen Pizzeria: Buon Appetito!

Etappe 3 (105,8 Km, 969 Hm): Vom Campingplatz Odersbach bis Koblenz

Auf dem Campingplatz Odersbach Früh am Morgen brechen wir unsere Zelte ab, über dem Campingplatz und dem nahen Fluss liegt morgendlicher Nebel und die Kühle der Nacht. Noch herrscht in den Behausungen ringsum die Ruhe vor dem Sturm. Mit dieser ist es wenig später vorbei und so reihen wir uns beim örtlichen Bäcker in eine lange Schlange hungriger Campingurlauber ein. Das hart erkämpfte Frühstück lassen wir uns hinter der ersten Flussbiegung auf einer Sitzbank am idyllischen Ufer der Lahn schmecken. Das Bild das sich uns ringsum bietet ist eine Blaupause für den kommenden Abschnitt des Lahntalradwegs: Eingebettet in ein enges Tal fließt der Fluss in weiten Bögen gemächlich in Richtung Rhein. Auf den teils steilen Hügeln ringsum wächst sattgrüner Mischwald, am Ufer gegenüber zieht sich eine Wiese bis direkt ans Ufer der Lahn. Wenig später sitzen wir endlich wieder im Sattel – jedoch nicht allzu lang. Auf den ersten Kilometern der Tagesetappe zeigt sich der Radweg von seiner schönsten Seite und so machen wir nach 6,5 Kilometern eine kurze Pausen um den Ausblick auf schroffe Felswände am anderen Ufer zu bewundern.

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Von Odersbach bis Limburg

Auf den nächsten Kilometern setzen wir auf dem stellenweise recht schmalen und holprigen Radweg immer wieder vorsichtig zum Überholen an und balancieren an entgegenkommenden Radfahrern vorbei. Bald wird der Radweg dann für einige Kilometer von Bahngleisen begleitet, die hinter einer Mauer aus losen Steinen in Richtung Aumenau verlaufen und den Radweg vom Fluss trennen. Die hier verkehrende Lahntalbahn verbindet auf einer Länge von 104 Kilometern die Orte Wetzlar und Niederlahnstein. Ist die Etappe zu lang? Einfach den Zug nehmen! Auf dem gesamten Lahntal-Radweg bietet sich Radfahrern die komfortable Möglichkeit, auf parallel verlaufenden Zugstrecken Kräfte zu schonen.

Auf dem Stadtansicht Runkel Wir setzen weiter auf Muskelkraft und pedalieren wenig später wieder direkt am Fluss, der hier vom Radweg nur durch einen schmalen, abschüssigen Grünstreifen getrennt ist. Während wir immer wieder über die üppig grüne Umgebung staunen haben wir bald nahezu unbemerkt 22,5 Kilometer gesammelt und erreichen den Ort Runkel. Am Lahnufer pausierend bietet sich uns ein imposanter Anblick auf die über der Stadt thronende hochmittelalterliche Höhenburg, die erstmals im Jahr 1159 erwähnt wurde. Während sich unter uns auf der Lahn gerade eine Gruppe Kanuten vor der Schleuse versammelt wechseln wir über die mittelalterliche Brücke ans andere Lahnufer und setzen unseren Weg durch das Zentrum des Ortes fort.

St. Lubentius Nur wenige Kilometer später fällt unser Blick bereits auf die nächsten Sehenswürdigkeit am Rande des Radwegs, als wir zunächst zwischen den Bäumen die Burg Dehrn mit seinem 34 Meter hohen Bergfried erblicken und später an der beeindruckenden ehemaligen Stiftskirche St. Lubentius in Dietkirchen vorbeirollen, einer exponiert auf einem schroffen Kalksteinfelsen errichteten romanischen Basilika. Der Radweg führt uns im Bogen um die Kirche herum, noch für eine Weile lassen wir den Blick über Sonnenblumenfelder hinweg immer wieder zurückschweifen auf das imposante Bauwerk.

Limburg Noch nicht genug gesehen? Limburg voraus! Mit rund 37 Kilometern in den Beinen erreichen wir wenig später das nächste Zwischenziel und legen zwischen den Bäumen an der Lahn eine kurze Pause ein, um den oberhalb der Altstadt auf einem Kalkfelsen thronenden Limburger Dom zu bewundern. Einige Radumdrehungen später haben wir die Altstadt erreicht und schieben unsere Bikes durch die pittoresken Gassen, die von unzähligen Fachwerkhäusern umrahmt werden. In den Cafés und Restaurants ringsum herrscht reger Betrieb und so bevorzugen wir ein erfrischendes Eis vom fahrenden Händler direkt am Domplatz.

Von Limburg bis Bad Ems

Bald verlassen wir Limburg in Richtung des rund 6 Kilometer entfernten Diez. Auf der Wiese neben dem Radweg dreht gerade ein Mähdrescher seine Bahnen während unser Blick noch einmal zurückfällt auf den Limburg Dom. Auf den nächsten Kilometern bis nach Balduinstein führt uns der Radweg über teils geschotterte Pisten einige kurze, knackige Anstiege hinauf. Knackiger Anstieg? Nach rund 52 Kilometern wartet ab Geilnau der herausforderndste Anstieg der gesamten Tour auf uns!

Auf einer Länge von rund 3 Kilometern zieht sich der Aufstieg über eine wenig befahrene Straße teils in engen Kurven hinauf bis nach Holzappel und wir kommen bei zweistelligen Steigungsprozenten ordentlich ins Schwitzen. Längst haben wir das kleinste Ritzel aufgelegt als wir schließlich am Ortschild von Holzappel ankommen und auf den zurückliegenden Rampen seit dem Einstieg in Geilnau rund 190 Höhenmeter gesammelt haben. Keine Lust auf diese Schinderei? Die Kraxelei können Radfahrer mit einer Zugfahrt zwischen Balduinstein und Laurenburg umgehen.

Nachdem wir unsere Kalorienspeicher mit deftiger Hausmannskost im Restaurant zum Michel aufgefüllt haben verlassen wir Holzappel in Richtung Scheidt, der Radweg steigt noch einmal moderat an. Kurz hinter Scheidt beginnt dann jedoch die rasende Abfahrt in Richtung Laurenburg, Tour de France Feeling inklusive! Auf der perfekt asphaltierten Piste bläst uns der Gegenwind mächtig ins grinsende Gesicht als wir die Bikes die Serpentinen hinabjagen – während sich in Gegenrichtung einige Radler im Schneckentempo hinauf quälen.

Kloster Arnstein Ab Laurenburg verläuft der Lahntalradweg zunächst direkt an der Bundestraße entlang in Richtung Nassau, das graue Band wird eingerahmt von steil emporragenden Felswänden und der träge in Richtung Mündung fließenden Lahn. Nach 67 Kilometern passieren wir die Schleuse Kalkofen und erreichen wenige Kilometer später Obernhof. Der Ort bildet den Einstieg für den kurzen, aber knackigen Anstieg hinauf zum Kloster Arnstein, dessen Geschichte bis in die zweite Hälfte des 11. Jahrhunderts zurückreicht.

Wir interessieren uns jedoch weniger für die alten Gemäuer des Klosters als vielmehr für die kurzen, bis zu 18 Prozent steilen Rampen und den ebenso steilen Abfahrten auf den folgenden rund 10 Kilometern – das Profil bleibt wellig! Bald verläuft der Radweg wieder einmal entlang einer eingleisigen Bahnstrecke in Richtung Bad Ems, wo wir nach rund 86,5 Kilometern eintreffen. Welch prächtige Kulisse! Auf der Oberfläche der Lahn spiegeln sich die klassischen Fassaden der Uferpromenade, verdoppelt sich der Prachtbau des barocken Badeschlosses. Wenig verwunderlich ob des Anblicks, dass die Stadt 2021 von der UNESCO als eines der Großen Bäder Europas in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen wurde.

Von Bad Ems zur Lahnmündung

Lahnmündung Wir verlassen Bad Ems und hoppeln auf den folgenden Kilometern auf dem von Wurzeln angehobenen Radweg in Richtung Lahnmündung. Gut durchgeschüttelt erreichen wir nach 98,7 Kilometern die Außenbezirke von Lahnstein. Auf einem Felsen am linken Lahnufer grüßt uns die imposante Burg Lahneck, ein in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts erbautes Bauwerk. Wenig später erreichen wir schließlich die Lahnmündung – ein beinahe feierlicher Augenblick! War die Lahn nicht gefühlt vor einem Wimpernschlag noch ein kleiner Rinnsal irgendwo im Nirgendwo des Rothaargebirges?

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Galerie

Karte und GPX-Datei

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Entfernungstabelle

Entfernungstabelle Lahntalradweg

Höhenprofil

Höhenprofil Lahntalradweg

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