Nahe- und Saarlandradweg

Rapsfeld

Unterwegs auf Nahe- und Saarlandradweg

Abwechslungsreiche Mehrtages-Tour ab Bingen über den Nahe- sowie den Saarland-Radweg bis nach Saarbrücken. Die Strecke verläuft durch eine bezaubernde Flusstal-Landschaft, passiert idyllische Weinberge und bizarre Felsformationen sowie dichte Wälder. Neben zahlreichen kleineren und größeren Anstiegen hält die Tour mit dem Höcher Berg eine knackige sportliche Herausforderung für Klettermaxe bereit.

Auf der gesamten Tour sei empfohlen, sich nicht ausschließlich auf die Beschilderung des rechten Weges zu verlassen. Besser sind gutes Kartenmaterial oder gleich GPS-Daten. Entgegen anders lautender Aussagen in so manchem Tourenbuch empfanden wir die Beschilderung stellenweise als ausbaufähig – und fuhren so manchen Umweg. Wer Kraft sparen will wählt die umgekehrte Richtung von Saarbrücken nach Bingen. Bei dieser Variante müssen Radler einige Höhenmeter weniger meistern und profitieren auf dem Nahe-Radweg von der zumeist vorherschenden Windrichtung.

Tag 1 (94 Km, 592 Hm): Von Bingen nach Idar Oberstein

Wir starten unsere Tour einen Katzensprung vom Mäuseturm entfernt am Hauptbahnhof von Bingen. Nach einer Pasta-Stärkung radeln wir wenig später bereits auf dem Nahe-Radweg, der sich zunächst am rechten Nahe-Ufer entlang schlängelt. Dann verläuft der Weg an Schnellstraßen, Gewerbegebieten und Feldern entlang, in der Ferne zeigen sich vereinzelt plattenbauartige Gebäude und Strommasten – nicht unbedingt ein Augenschmaus. Andererseits fahren wir jedoch auch immer wieder direkt an der idyllischen Nahe und kommen langsam in Tritt.

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Nach 22 Kilometern erreichen wir Bad Kreuznach. Hier rollen wir gemächlich durch die Stadt und besichtigen die Anlagen im Salinental. Über einen Kilometer erstrecken sich hier sechs Gradierwerke, Wasserräder und andere Anlagen – eine Zeitreise in die Geschichte der Salzgewinnung im Nahetal. So wurden die Anlagen über 100 Jahre zur Gewinnung von Salz genuzt. Heute hingegen tragen sie zum Klima des Kurortes bei. An den Heckenwänden der Gradierwerke rieselt beidseitig Salzwasser herab. Durch Verdunstung steigert sich allmählich der Salzgehalt der herabtröpfelnden Sole und sorgt in der Umgebung für einen wohltuenden Effekt für die Atemwege der Besucher – genug Puste also für die kommenden Kilometer im Sattel!

Rheingrafenstein und Rotenfels

RheingrafensteinEine Weile in die Pedale getreten wartet nach rund 27 Kilometern das erste spektakuläre Natur-Highlight auf uns. So ertreckt sich in Bad-Münster am Stein-Ebernburg am rechten Nahe-Ufer der Rheingrafenstein, eine 136 Meter hohe Felsformation direkt am Fluss. Kaum aus dem Staunen heraus bewundern wir auf einer Brücke stehend schon die nächste atemberaubende Aussicht. Idyllisch spiegelt sich unter uns der 327 Meter hohe Rotenfels auf der Wasseroberfläche der Nahe. Der bei Kletteren beliebte Berg gilt als höchste Felswand zwischen den Alpen und Skandinavien. In südlicher Richtung thront hingegen auf einem Bergvorsprung die Ebernburg, eine um das Jahr 1338 entstandene Höhenburg – welch schöner Ort!

Noch eine ganze Weile begleiten uns zur Rechten die Felswände entlang der Nahe während der Radweg nach rund 29 Kilometern nun aus einem rund 4 Meter breiten Sandweg besteht – bei regnerischem Wetter ein zusätzlicher Kraftaufwand und reichlich Schmutz für unsere Bikes. Für die nächsten 4 Kilometer scheint der Untergrund nun unsere Räder zu bremsen bis wir endlich wieder einen asphaltierten Abschnitt erreichen. Wenig später rollen wir in Niederhausen über die klappernden Holzbohlen des Stauwehrs. Ringsum zeigt sich auch hier die Landschaft in sattem Grün. So sind einige Hänge ringsum dicht bewaldet während andere zum Weinanbau genutzt werden. Bereits seit der Römerzeit wird an der Nahe und seinen Nebenflüssen Wein angebaut.

Durch Weinberge Richtung Idar Oberstein

Oberhausen an der NaheNach rund 40 Kilometern schlängelt sich der Radweg hinauf in die Weinberge und wir stiefeln die ersten nennenswerten Anstiege der Tour empor. Außer uns verirrt sich am heutigen Tag kaum ein Autofahrer in die Weinberge und nur wenige Radler sind unterwegs. Gut so! Am Scheitelpunkt des Anstiegs genießen wir in Ruhe die schöne Aussicht zwischen den Reben hindurch auf die zu unseren Füßen liegende Ortschaft Oberhausen an der Nahe – und stürzen uns wenig später wieder in die Abfahrt Richtung Flussufer.

Wir passieren die Orte Boos und Merxheim und erreichen nach rund 66 Kilometer Kirn. Am Ortsrand halten wir kurz an einem Steinbruch, um uns die schroffen Felswände und die imposanten Baumaschinen anzuschauen. Keine Lust auf Maschinen? In Kirn können rund um den Marktplatz historische Fachwerkhäuser und der St. Georg-Brunnen besichtigt werden. Nach dem Zwischenstop zählen wir dann bereits die Kilometer bis ins Etappenziel Idar Oberstein runter: Yeah, nur noch 19!

Idar Oberstein – fahrradfreundliche Perle an der Nahe... äh, nicht wirklich! So schlängeln wir uns an breiten Ausfallstraßen entlang, Fahrradwege sucht man hier weitesgehend vergebens. Immerhin können mit dem Felsendom, dem Schloss und dem Deutschen Edelsteinmuseum im Ort einige Sehenswürdigkeiten besichtigt werden – wohl besser mit dem Auto vorfahren? Die letzten Kilometer zum Campingplatz TuS Tiefenstein geht es nun noch einmal stetig bergan und wir sammeln die letzten Höhenmeter der heutigen Etappe. Jetzt aber nichts wie Zelt aufbauen, duschen – und ein Jägerschnitzel im nahen Vereinsheim genießen!

Tag 2 (104,5 Km, 1306 Hm): Idar-Oberstein (Zeltplatz) - Campingplatz Königsbruch

Am Morgen beginnen wir die zweite Etappe mit einem umfangreichen Frühstück bei einem örtlichen Bäcker. Etwas unübersichtlich gestaltet sich zunächst der Einstieg in den Nahe-Radweg. Dieser startet gleich zu Beginn mit den ersten steilen Rampen raus aus der Stadt. Als Vorgeschmack auf das wellige Profil des heutigen Tages weist der Tacho nach 10 Kilometern bereits 100 gefahrene Höhenmeter auf – na das kann ja heiter werden!

Idyllische NaheNach rund 14 Kilometern folgt der Radweg einem dicht bewaldeten Taleinschnitt und wir überqueren die rauschende Nahe über eine schmale Holzbrücke. In der Mitte angekommen lassen wir den Blick über eine idyllische Flusslandschaft schweifen. Kurz hinter der Brücke geht es nun nach links und schon erwartet uns der nächste knackige, wenn auch kurze Anstieg. Der Weg verläuft nun oberhalb der Nahe durch den Wald – kurze Anstiege folgen auf ebenso kurze Abfahrten. Bald schlängelt sich der Weg an idyllischen Wiesen vorbei durch ein Tal, an deren Flanken sich bewaldete Hügel und vereinzelte Häuser erstrecken. Wen stört da schon die Autobahnbrücke über dem Tal? Den Radweg im Tal haben Radfahrer und Fußgänger jedenfalls für sich.

Nach 19,4 Kilometern legen wir nahe einer Steinbrücke an einem idyllisch gelegenen Rastplatz eine Pause ein. Zwischen Pusteblumen und Wiesen, direkt an der Nahe gelegen machen wir es uns für einige Minuten an einem der Steintische gemütlich. Wieder im Sattel sammeln wir weitere Kilometer und erreichen nach rund 33 Kilometern Birkenfeld. Der Radweg durch den Ort verläuft geradewegs an Dönerbuden, Asia-Imbissen und italienischen Restaurants vorbei – Zeit für die Mittagspause!

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Ab Birkenfeld folgen wir zunächst der Bergstraße, biegen nach rechts in die Straße "Am Bahnhof" ab und fahren wenig später auf dem asphaltierten Radweg, der auf einer ehemaligen Bahntrasse idyllisch am Waldrand entlang verläuft. Nach 43 Kilometern herrscht an einem Kreisverkehr kurze Verwirrung – verdammt noch mal, wo geht es lang? Ein kurzer Blick aufs Navi und schon geht die Fahrt weiter in Richtung Nohfelden.

Ab Nohfelden unterwegs auf dem Saarland-Radweg

Ab Nohfelden wechseln wir auf den Saarland-Radweg. Dieser weist bis zu unserem Etappenziel unzählige Steigungen auf. Zunächst erfreuen wir uns jedoch kurz hinter Wolfersweiler am schönen Ausblick in die Umgebung. Nach links hat sich die Landschaft geöffnet, an Wiesen vorbei kurbeln wir einmal mehr bergan während sich auf den Hügeln gemächlich die Windräder drehen. Äußerst abwechslungsreich zeigt sich die Landschaft auch auf den folgenden Kilometern.

Talbrücke OberkirchenEine schöne Aussicht genießen wir nach rund 70 Kilometern von der Talbrücke Oberkirchen. Die zwischen 1934 und 1936 erbaute Talbrücke ist mit ihren 12 Bögen eine der größten Steinbrücken Südwestdeutschlands. In einer Höhe von 30 Metern überspannt das Bauwerk das Ostertal auf einer Länge von 275 Metern. Seit dem Abbau der Schienen Anfang der 1970er Jahre schnaufen heute statt Zügen Wanderer und Radwanderer über die Steinkonstruktion.

Eine sportliche Herausforderung erwartet uns zum Ende der Etappe am Höcher Berg. Mit zum Teil heftigen Steigungen versehen führt uns der Weg bis in eine Höhe von rund 500 Metern. Die Piste verläuft dabei auch mal über Wald- und Schotterwege. Längst hat der Tacho die Marke der 1000 Höhenmeter weit hinter sich gelassen. Halleluja, irgendwann taucht das Ziel zwischen den Baumreihen auf, der Campingplatz Königsbruch liegt vor uns! welcher Pizzaservice liefert wohl am schnellsten an die Schranke?

Tag 3 (86,5 Km, 299 Hm): Campingplatz Königsbruch - Saarbrücken (Zeltplatz)

Nach einigen Kilometern hat uns der Radweg wieder und wir radeln dem Frühstück entgegen. Yippie, der Radweg führt direkt beim Bäcker vorbei – Kaffee, Croissant und Brötchen gefällig? Den Magen gefüllt radeln wir nun zunächst die Lilienstraße bergan und sammeln weitere Höhenmeter. Im Gegensatz zum gestrigen Tag ist der Abschnitt zwischen Königsbruch und Saarbrücken jedoch überwiegend geprägt von flachen Streckenabschnitten durch breite Täler – was sich in einer größeren Anzahl an Radfahrern bemerkbar macht. Waren wir auf der gestrigen Etappe überwiegend allein unterwegs sind nun zahlreiche Rennradfahrer, Radwanderer und E-Biker unterwegs.

Homburg, Blieskastel und ein Abstecher nach Frankreich

Historischer Marktplatz HomburgNach 10 Kilometern erreichen wir Homburg und schieben unsere Räder durch die kleine, beschauliche Altstadt. Wenige Kilometer außerhalb der Stadt verläuft der Radweg zunächst an Wiesen entlang, begleitet vom kleinen Flüsschen Blies und einigen Betonklötzen. Nach rund 20 Kilometern haben wir lediglich 80 Höhenmeter auf dem Tacho, der Streckencharakter bleibt flach. Bald verläuft der Radweg direkt an einer Bahntrasse, wir passieren gelb blühende Blumenfelder und Pferdekoppeln und erreichen nach 24,7 Kilometern den Ort Blieskastel. Unbedingt anschauen! Mittelpunkt und Hauptplatz der Barockstadt ist der Paradeplatz mit seinen hübschen Häusern. Regelmäßig findet dort eine Wochenmarkt statt. Sehenswert ist zudem die Altstadt mit ihren barocken Bauten. Der historische Stadtkern steht seit 1986 unter Denkmalschutz. Hier laden zahlreiche Gassen, kleine Geschäfte und Boutiquen zum Bummeln ein. Den ältesten Teil der Stadt finden Besucher rund um die Alte Pfarrgasse.

Nach rund 37 Kilometern legen wir in Gersheim eine Mittagspause in einem Wirtshaus ein. Wir bestellen auf Empfehlung des Wirtes eine echte Saarländer Spezialität und machen uns wenig später über Hoorische Knepp (Saarländer Kartoffelknödel) mit Specksauce her – welch Gaumenfreude! Frisch gestärkt schwingen wir uns wieder in den Sattel. Der gut ausgebaute und übersichtlich beschilderte Radweg verläuft zunächst schattig durch den Wald, begleitet weiterhin durch die Blies. Beinahe unbemerkt passieren wir wenig später die deutsch-französiche Grenze. Für die nächsten Kilometer schlängelt sich nun der Radweg mal rechts, mal links der Grenze und wir verlassen kurzeitig den Radweg, um uns die Orte der Umgebung näher anzuschauen.

Saarland RadwegAb Saargemünd verläuft die Strecke dann bis zum Etappenziel in Saarbrücken unmittelbar an der Saar entlang. Radrennfahrer, Radwanderer und Fussgänger teilen sich hier den rund 3 Meter breiten Asphaltstreifen – während sich auf der Saar Kanuten und Ruderer tummeln und am bewaldeten Ufer Angler Ihre Köder auswerfen. Immer wieder laden am Rande des Radweges Gaststätten und Biergärten zum Verweilen ein. Hier legen auch wir einen letzten Zwischenstopp ein und füllen unsere Energievorräte mit selbstgeschmierten Stullen auf – bevor wir zum Endspurt in die Landeshauptstadt ansetzen und schließlich am Campingplatz Kanu Wanderer eintreffen.

Wissenswertes: Campingplatz TuS Tiefenstein

Campingplatz TuS Tiefenstein Der rund 7,5 Kilometer außerhalb Obersteins gelegene Zeltplatz ist der Einzige im Ort und liegt idyllisch am Idarbach, nahe des Walrandes. Der Platz oberhalb der Stadt ist von April bis Oktober sowie nach Absprache geöffnet. Zu später Stunde am Zeltplatz angekommen? Kein Problem! Die Schlüssel für die Sanitäreinrichtungen werden in einem Safe vor Ort gelagert, der Code wiederum kann telefonisch erfragt werden. Im nahen Vereinheim ist die Küche bis 22 Uhr geöffnet – guten Appetit! Aber warum nicht gleich selber bruzeln? Ein Schwenkgrill für hungrige Radler ist auf dem Zeltplatz vorhanden. Mehr Infos gibt's hier.

Campingplatz Königsbruch

Campingplatz Königsbruch Rund 2,5 Kilometer vom Saarland-Radweg entfernt befindet sich inmitten von Laub- und Nadelwäldern der Campingplatz Königsbruch. Auf einer Fläche von rund 250000 Quadratmetern ist der Platz vor allem auf Dauer- und Toursitencamper ausgelegt. Radreisenden mit Zelt wird aber auf Nachfrage ein Platz zwischen den Campingmobilen zugewiesen – solange noch was frei ist. Der Platz bietet zahlreiche Freizeitaktivitäten. Gebadet werden darf in 3 Seen. Zudem steht ein Angelteich, Tennisplätze, Tischtennisplätze und Kicker zur Verfügung. Waschmaschine, Trockner, ein Biergarten und ein Kiosk runden das Angebot ab. Zur Not liefert einer der Pizzaservices der benachbarten Orte hungrigen Bikern Pasta oder Pizza direkt an die Schranke – buon apetito! Mehr Infos gibt's hier.

Campingplatz Kanu Wanderer

Campingplatz Kanu Wanderer Etwas vom Stadtzentrum entfernt liegt der ganzjährig geöffnete Campingplatz nahe des Saarufers. Neben Caravanstellplätzen hält der Platz einen abgetrennten Bereich für Urlauber mit Zelt, einen Bouleplatz und Biertische zum Campieren bereit. Neben sauberen Duschen und Toiletten stehen eine Waschmaschine und ein Trockner zur Verfügung. Fahrräder können an Stahlbügeln sicher angekettet werden. Der Platz verfügt zwar nicht über warme Küche, sehr wohl aber über einen Frühstücksservice. Hier gibt sich Pächterin Carmen größte Mühe, auch die hungrigsten Biker satt zu bekommen. Für Verpflegung findet sich in der nahen Umgebung zudem ein italienisches Restaurant mit Lieferservice sowie ein Supermarkt. Mehr Infos gibt's hier.

Galerie

Karte

Entfernungstabelle

Entfernungstabelle Nahe- und Saarlandradweg

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